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Naturtoninstrumente
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Stimme
Die menschliche Stimme
ist das älteste und am meisten verbreitete Instrument für Naturton-Musik.
Im Laufe von Jahrtausenden haben sich weltweit unterschiedlichste Tonsysteme
herausgebildet, die vielfach auf Naturtöne zurückgehen und in
der Kultur des jeweiligen Landes fest verwurzelt sind, auch wenn das abendländische
Tonsystem im Zuge der Kolonialisierung und in jüngster Zeit besonders
mit Hilfe der Unterhaltungselektronik schon manches an kulturellen Gütern
der außereuropäischen Musik verdrängt, wenn nicht gar
unwiederbringlich zerstört hat. Rein erhalten hat sich das Obertonsingen
in vielen Teilen der Welt, besonders gepflegt bei den Tuva (Mongolei)
- "Chomi".(auch:"Humi").
Seit den 70er Jahren hat das Obertonsingen in der westlichen Welt Eingang
gefunden, dabei sind besonders zu nennen:
David Hykes und der New York Harmonic Quire, gegründet 1975; "Hearing
Solar Winds" (1977-1983)
Michael Vetter: Oberton-Oratorium, "Overtones" und "Tambura-Meditation"
(1982)
Christian Bollmann und der Obertonchor Düsseldorf: "Rise my
Soul" (1985-1988), "Drehmomente" (1989)
Heute ist das Obertonsingen weit verbreitet, und in den meisten Städten
gibt es Gruppen und Chöre, die mit Obertönen musizieren.
Mehr Informationen darüber über Chris Amrhein, Obertonchor PRISMA,
Salzburg "www.chrisamrhein.com"
Singen im Naturtonsystem
Die Anpassung der Stimme an die Tonstufen des Naturtonsystems ist lediglich
eine Intonationsfrage und bestenfalls abhängig davon, wie schnell
sich das Tonempfinden von den herkömmlichen einstudierten Mustern
lösen kann. Denn das so lange angestrebte und von manchen noch immer
hartnäckig verfolgte Ideal einer gleichmäßigen Temperierung,
also völlig gleiche 12 Halbtonstufen als Tonskala, ist ein artifizielles
Produkt und keineswegs vorgegeben, weder physikalisch noch physisch: in
der Natur gibt es solche Tonstufen nicht, und das Gehör ordnet aus
solchen Tönen gebildete Intervalle entsprechenden reinen Intervallen
zu, deren Frequenzverhältnis einer Proportion kleiner ganzer Zahlen
entspricht - also der Naturtonleiter entnommenen Intervallen. Da das abendländische
Tonsystem nur einen kleinen Teil dieser Intervalle verwendet, kommt das
Singen und Musizieren im Naturtonsystem einer Erweiterung des Systems
gleich, das schrittweise erlernt werden kann. Der erste Schritt ist die
Einbeziehung der Naturseptim, einer bewußt niedriger gesungenen
kleinen Septime, die in Verbindung mit dem dazugehörigen Dreiklang
einen harmonischen, spannungsfreien Akkord bildet. (dazu muß auch
die Terz des Dreiklangs rein sein (5/4), nicht temperiert!). Als nächster
Schritt folgt die Einbeziehung des 11.Naturtons: dieser bildet mit der
großen Sekund eine neutrale Terz, wie sie in der Musik des Orients
gebräuchlich ist ("arabische Terz") und ist deshalb ebenfalls
nicht schwer zu erlernen. Nur der 13. Oberton ist schwerer zugänglich,
als "neutrale Sext" zum Grundton bezogen nimmt er in der Naturtonmusik
meist die Rolle eines um einen Viertelton veränderten Intervalls
ein (z.B: 15/13 = 247C, 16/13 = 359C, 13/10 = 455C) und muß melodisch
und harmonisch seinem Umfeld angepaßt werden.
Diese drei neu hinzugekommenen "ekmelischen Töne" vervollständigen
den Tonvorrat, denn höhere, Primzahlen entsprechende Naturtöne
werden als Färbung ("Chroma") eingesetzt und sind damit
den "blue notes" im Jazz sehr ähnlich.
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Saiteninstrumente
Streichinstrumente
Da die Streichinstrumente
keine Bünde haben, sind die Naturtöne, zumindest die ersten
16 vom Gehör mit etwas Übung leicht zu erfassen und können
in tiefen Lagen durch entsprechende Abweichung relativ sauber intoniert
werden. Aus den natürlichen Flageoletts heraus lassen sich die Naturtöne
genau bestimmen, doch die Töne 11 und 13 liegen in der 3.Oktave so
hoch über der Grundschwingung der Saite, daß sie bei den oberen
Saiten der Violine beispielsweise kaum mehr gehört werden können.
Zupfinstrumente
Zupfinstrumente mit
Bünden (Gitarre, Laute u.a.) sind nur bedingt in der Naturton-Musik
einsetzbar, denn die Bünde sind meist temperiert oder einer historischen
Stimmung entsprechend angeordnet.
Ausnahmen sind jene Instrumente, die speziell für reine Stimmungen
angefertigt worden sind, wie die enharmonische Gitarre (Martin Draaf;
Martin Vogel: "Die enharmonische Gitarre"- Orpheus-Schriftenreihe,
Band 45) oder Gitarren für das Spiel in "Just Intonation"
-Systemen.
Durch Umstimmen einzelner Saiten ist es möglich, einzelne Akkorde,
Tonfolgen und Akkordzerlegungen dem Naturton-System anzupassen, die sogar,
je nach Lage, transponiert werden können - wobei zu beachten ist,
daß nur wenige Skalen dazu geeignet sind, denn die Bünde bleiben
in ihrer Anordnung dem temperierten System entsprechend bestehen.
Gleiches gilt für Zither, Harfe, Hackbrett und ähnliche Instrumente:
einzelne Saiten können dem Naturtonsystem angeglichen werden, Bünde,
Haken- oder Pedaleinstellungen (Halb- und Ganztonverschiebung) aber bleiben
temperiert. Hier ist viel Erfahrung im Umgang mit diesen Instrumenten
notwendig, oder es muß auf Kompromisse in Hinsicht auf Genauigkeit
und Reinheit eingegangen werden.
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Blasinstrumente
Holzblasinstrumente
Holzblasinstrumente
mit Grifflöchern und Klappen eignen sich ebenfalls für das Musizieren
im Naturton-System. Die Abweichungen von den temperierten Tönen werden
entweder durch andere Griffe, durch Halb-Schließen oder durch Lippendruck
erzielt. Da die Bauweise der Instrumente für ihre Tongebung maßgebend
ist, gibt es keine generelle Anleitung für das Spiel mit Naturtönen,
es empfiehlt sich daher, selbst Grifftabellen anzulegen. Hilfe dazu geben
Tabellen, die von Musikern dazu herausgegeben worden sind:
Holzblasinstrumente: Bruno Bartolozzi: "New Sounds for Woodwind",
Oxford University Press, 1967
Flöte: John Fonville und Stuart Quimby: "Microtonal Fingerings
for Flute", New York, Pitch Nr.4/1990
David Whiteside: "Flute in 72-Tone", Pitch Nr.4/1990
Klarinette: Harold Seletsky: "Quartertone Fingerings for the Boehm
Clarinet", Michael Richards:
"Microtonal Chart for Clarinet", Ian Greitzer: "Clarinet
in 72-Tone", Pitch Nr.4/1990
Fagott: Johnny Reinhard: "Microtonal Bassoon", Pitch Nr.4/1990
Multiphone und Flageoletts
ergänzen das Repertoire an Naturtönen.
z.B. Robert Dick: "The other flute"
Blechblasinstrumente
Blechblasinstrumente
sind Natur-Instrumente, wenn sie ohne Ventile, die chromatisch-temperierte
Rohrverlängerungen bewirken, gespielt werden. Die Ventile können
auch eingesetzt werden, um andere Naturtonskalen als die des Grundtons
spielen zu können. Problemlos geschieht dies bei Halbton, Ganzton-
und Quartverlängerungen, die Terzverlängerung dagegen ist problematisch,
weil sie im temperierten System erfolgt und die Töne deshalb erheblich
von den natürlichen Tönen abweichen. Für Zuginstrumente
(Posaune) ergibt sich dieses Problem nicht, jedoch erfordert der Einsatz
des Zugventils äußerst genaues Hören.
Naturinstrumente (Jagdhorn,
Alphorn, Widderhorn, Signalhorn, Signaltrompete u.a.) erlauben lediglich
Naturtonskalen auf ihrem Grundton, in der Naturtonmusik müssen sie
daher im Ensemble mit verschiedenen aufeinander abgestimmten Grundstimmungen
eingesetzt werden. Zu den Naturinstrumenten zählt auch das Didgeridoo.
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Idiophone
Die meisten Idiophone,
soweit sie nicht nur Rhythmus-, sondern auch Melodie-Instrument sind,
entsprechen der temperierten Stimmung. Xylophone, Marimbas und Vibraphone
müßten, um sie in der Naturtonmusik einsetzen zu können,
mit neuen, zusätzlichen Platten bestückt und dadurch im Umfang
beträchtlich erweitert werden. Ein virtuoses Spiel ist auf diese
Weise nicht mehr möglich.
Einzig die Pedal-Pauken erlauben Tonabweichungen im mikrotonalen Bereich.
Dennoch sind die meisten
neuen Musikinstrumente für das Spiel mit Tönen aus dem Naturton-System
speziell als Idiophone, meist mit Klangstäbe oder Klangröhren,
angelegt worden. Harry Partch (1901-1974) hatte verschiedenste Instrumente
in unterschiedlichen Stimmungen konstruiert, meist mit einer kleineren
Auswahl an Tönen, die Naturintervalle zum Klingen brachten, bevor
er an den Bau des à "Zoomoozophones" mit 31 Klangröhren
pro Oktave heranging (1975 von Dean Drummond fertiggestellt).
Ebenfalls aus 31 Röhren
pro Oktave, jedoch in gleichen Tonabständen, besteht das "Tubulon",
von Ervin Wilson und Craig Hundley, das 1980 fertiggestellt worden ist.
Ihm folgte 1990 ein weiteres Instrument, diesmal jedoch mit 53 Röhren
pro Oktave - und ebenfalls mit gleichen Tonabständen.
Das à "Escalophon"
befindet sich noch in der Entwicklung. Es enthält nur 8 Klangröhren
pro Oktave, ist dafür aber mit mehreren Skalen ausgestattet und erlaubt
auch das Spiel mit Untertonskalen - insgesamt auf 256 Metallröhren
auf 4 Oktaven.
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Elektronische
Instrumente
Telharmonium
Das von Thaddeus Cahill 1906 in New York vorgestellte Instrument war eine
Sensation, ein Vorläufer der Soundsynthese. à Das Instrument
des Dr.Thaddeus Cahill
Sphaerophon
Jörg Mager (1880-1939) entwickelte in den 20er Jahren ein elektronisches
Instrument mit mikrotonalen Tonsystemen (Zehntel- und Zwölfteltöne),
das zu den Donaueschinger Musiktagen 1926 tatsächlich realisiert
worden ist, als "Melodie-Sphaerophon" allerdings in einer bescheideneren
Form als es sich Jörg Mager erträumt hatte:
"Ein Frühlingstag im Treptower Volkspark. In der Mitte ein Turm,
höher als der der Sternwarte, der Sphärophonturm. Das Instrument,
bedient von Musikingenieuren und Sphärophonmusikern, hebt an zu tönen.
Klangfarbenkaskaden...sprühen über Tausende von Menschen...."
Trautonium
Das von Oskar Sala entwickelte Trautonium war in der Zeit der ersten großen
Tonfilme ein begehrtes und äußerst beliebtes Instrument. Mit
ihm war es auch möglich, Mikrotöne und die Töne der Naturtonskala
genau zu spielen. Der kroatische Komponist Josip Stolcer-Slavenski hatte
1937 die erste Komposition im Naturton-System für 4 Trautonien komponiert
- zu einer Aufführung war es jedoch nie gekommen, weil die Trautonien
von verschiedenen Orten in Europa zusammengebracht werden mußten,
und nach Ausbruch des 2.Weltkriegs war dies zu einem unmöglichen
Unterfangen geworden
Keyboards: Scalatron
Nach der Vorstellung von George Secor wurde in den USA 1978 ein Keyboard
entwickelt, mit dem man verschiedene Tonsysteme, und zwar gleichstufige
Oktavteilungen mit 17, 22 und 41 Tonstufen pro Oktave spielen konnte.
Secor ging dabei auf einen Vorschlag von Ivor Darreg ein, der schon 1930
ein solches System zur Darstellung von Reinintervallen angeregt hatte.
George Secor entwickelte eine spezielle Schreibweise für das 41-Stufen-System
("New Scales", 1978) und gab an, in der Kombination der Systeme
24.552 reine Intervalle ("tones") spielen zu können. (Motorola
scalatron)
Newkeyboard
Das Newkeyboard ist ein patentiertes Tastensystem, das von Johannes Kotschy
1993 speziell für das Naturton-System entwickelt worden ist. Mit
16 Tasten pro Oktave ist der Umfang übersichtlich und das Instrument
leichter zu bedienen als mit der herkömmlichen Klaviatur, doch mit
Hilfe von Transpositionen, Kopplungen und Kombinationen ist der Tonvorrat
des Instruments nahezu unerschöpflich. "www.newkeyboard.de"
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Orgeln
und Tasteninstrumente
Im Bestreben, gleichstufige
Skalen zu entwickeln, mit denen sich die reinen Intervalle der Naturtonskala
am besten darstellen lassen, wurden zunächst nur Tasteninstrumente
mit gleichmäßiger Ganztonteilung oder gleichmäßiger
Oktavteilung gebaut.
Vierteltonklavier:
Sechstelton-Harmonium:
Carrillo-Klaviere (bis zur 16tel-Ton-Teilung): Mit Ausnahme vom Dritteltonklavier
(Martine Joste) und dem 16tel-Ton-Klavier existieren diese Instrumente
nicht mehr, die 16-tel-Ton-Klaviere werden jedoch derzeit wieder nachgebaut.
Bosanquet-Harmonium
Dieses auch "Euharmonische Harmoium" genannte Instrument mit
53 Stufen/Oktave entstand 1876, sozusagen als Beiporodukt zu Bosanquets
Schrift "Die Theorie der Oktavteilung und der praktiche Umgang mit
so erhaltenen musikalischen Systemen". Das Bosanquet-Harmonium hatte
einen weit besseren Klang als die damals üblichen Harmonien, denn
die 53-er Skala kommt den Natur-Intervallen entgegen. Dennoch empfand
George Bernhard Shaw, der Bosanquets Harmonium hörte, die Klänge
als "unangenehm schleimig".
Harmon
Das "Harmon" wurde 1883 von James Paul White in Philadelphia
in ähnlicher Weise gebaut wie Bosanquets Harmonium.
"Arcifoon"
- die Huygens-Fokker-Orgel
Die von Adriaan Fokker entworfene und von der Fa. B.Pels und Söhne
gebaute 31-stufige Orgel wurde 1950 im Teyler-Museum in Haarlem, Niederlande,
aufgestellt. Ihre beiden Manuale enthalten je 11 Tastenreihen übereinander,
auch die Pedale enthalten 5 Reihen; der Stimmung zugrunde liegt eine Terzenskala,
die nach 31 Terzen (387 C) zu ihrem Ausganspunkt zurückkehrt.
Von 1950 bis 1955 fanden regelmäßige Konzerte mit dieser Orgel
statt, wobei ältere Literatur wie Sweelinck, aber auch eigens für
die neue Orgel komponierte Musik vorgestellt wurde. 1960 wurde die Konzertreihe
wieder aufgenommen. Die Orgel ist heute im Besitz der Huygens-Fokker-Stichting
und nach wie vor auf ihrem alten Platz im Teyler-Museum zu besichtigen
und zu hören.
Die enharmonische
Orgel
Die enharmonische Pfeifenorgel der Musikschule Leverkusen wurde von der
Orgelbaufirma Schumacher in Eupen/Belgien nach Plänen von Prof.Dr.
Martin Vogel für Hans-André Stamm gebaut. Neben einem Spieltisch
mit 2 herkömmlichen Manualen besitzt sie einen herausklappbaren Spieltisch
mit 328 Tasten, die im Sinne eines Tonnetzes angeordnet sind und Quint-,
Terz- und Naturseptimreihen mit fortschreitenden Ganztonstufen in Verbindung
bringen.. Zur Orientierung des Spielers unterscheiden sich die Tasten
sowohl in Form als auch in den Farben des Holzes. 48 Töne bilden
eine Oktave. Die Orgel steht im Konzertsaal der Musikschule Leverkusen.
Die Ekmelische
Orgel
Die Ekmelische Orgel wurde 1976 von Franz Richter Herf und Rolf Maedel
am Salzburger Mozarteum gebaut und erlaubt das Spiel mit 72 Tönen
pro Oktave. Diese sind auf 3 Manuale verteilt, wobei jede Taste durch
einen an ihrem Ende angebrachten Druckknopf noch um einen Zwölftelton
erhöht werden kann. Mit dieser Orgel lassen sich alle hörbaren
Töne des Naturtonsystems mit hinreichender Genauigkeit darstellen
(Abweichungen unterhalb der Hörgrenze). Insgesamt wurden zwei Orgeln
gebaut, eine davon ist sowohl im Konzertbetrieb als auch im Unterricht
an der Universität Mozarteum im Einsatz.
Newkeyboard
Dieses neue Instrument wurde für die Naturtonmusik entwickelt und
erschließt mit seiner Fülle an Spielmöglichkeiten neue
Klangwelten. "www.newkeyboard.de".
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Das
Instrument des Dr.Thaddeus Cahill
In McClure's Magazine
vom Juli 1906 berichtet ein Mr.Baker von einer ungewöhnlichen Apparatur,
die ein Dr. Thaddeus Cahill in New York vorgestellt hatte. Eine ganze
Reihe von Tongeneratoren, waren auf dem Podium aufgestellt, um über
ein Telephon-Diaphragma, denn Lautsprecher gab es noch nicht, einen ihnen
zugeordneten Sinuston hörbar zu machen. Die Töne standen in
einem ganzzahlingen Schwingungsverhältnis zu einem Grundton, und
je nachdem, welche Apparate über ein Schaltpult in Betrieb gesetzt
wurden, und wie laut sie eingestellt wurden, erklang im Saal der Klang
eines bestimmten Instruments mit seiner charakteristischen Klangfarbe.
Eine Reihe solcher Apparaturen, von mehreren Spielern gespielt, könnte
so zu einem Orchester zusammengestellt werden, schreibt Mr.Baker, und:
"Der Bau eines solchen Instruments wäre außerordentlich
umfangreich und kostspielig, und sein praktischer Wert müßte
mit Recht angezweifelt werden." Seinem Bericht fügte Baker "authentische
Photographien" des so unglaublichen Apparates hinzu, der "aussieht
wie ein Maschinenraum", aber "den in Verbindung stehenden Raum
zauberhaft mit Klang erfüllt, einem wissenschaftlich vollkommenen,
niemals versagenden Klang, unsichtbar, mühelos und unermüdlich."
- Kein Zweifel, Dr.Cahill war mit seinem "Dynamophon" die erste
Klangsynthese gelungen.
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Zoomoozophone
in seiner Schrift
"Genesis of a Music" (1949) hatte Harry Partch (1901-1974) ein
43-stufiges Tonsystem entwickelt, dessen Intervalle ausschließlich
aus der Naturtonreihe hergeleitet werden und in ihren Zahlenproportionen
nur die Zahlen 2,3,5,7,9,und 11 (oder deren Vielfache) enthalten. Für
das Zoomoozophone hatte er aus diesem Tonvorrat 31 ausgewählt und
ein Instrument entworfen, das aus 129 Metallröhren besteht, verteilt
auf 4 Oktaven mit je 31 Tönen. Ergänzt wird das System mit 5
weiteren Röhren, um auch seine Komposition "Two Studies on Ancient
Greek Scales" und John Cages' "Haikai für Flöte und
Zoomoozophone" darauf spielen zu können.
Das Instrument wurde erst nach seinem Tod von Dean Drummond vollendet
und in dessen Ensemble "Newland" in Konzert-Tourneen, u.a. auch
in Europa, eingesetzt.
Für das Zoomoozophone komponierten neben Harry Partch und Dean Drummond
auch Ben Johnston, Skip la Plante, Joan la Barbara, David Krakauer und
John Cage.
Zoomoozophone:
Töne
1/1 - 16/15 - 12/11
- 11/10 - 10/9 - 9/8 - 8/7 - 7/6 - 6/5 - 11/9 - 5/4 - 14/11 - 9/7 - 4/3
- 11/8 - 7/5 -
-10/7 - 16/11 - 3/2 - 14/9 - 11/7 - 8/5 - 18/11 - 5/3 - 12/7 - 7/4 - 16/9
- 9/5 - 20/11 - 11/6 - 15/8 - (2/1)
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| Escalophon
Klangtürme
Die "Klangtürme" - erstmals beim Festival "Kraftklänge
am Irrsee" im Mai 2002 im Einsatz - sind Teil eines Projekts, das
zu einem neuen Instrument, dem "Escalophon", führen soll.
Dieses Instrument - vergleichbar mit einem großen Ensemble von Röhrenglocken,
wird bestückt mit etwa 256 Klangröhren im Umfang von 4 Oktaven
und soll das Spiel mit 8 Naturtonreihen (die alle in Beziehung zueinander
stehen) ermöglichen, aber auch das Spiel mit Untertonreihen. Es stellt
eine Weiter-entwicklung des von Harry Partch in den 70er Jahren entworfenen
und von Dean Drummond vor 2 Jahrzehnten in New York vollendeten "Zoomoozoophones"
dar, denn es bezieht nicht nur die in unserem geläufigen Tonsystem
nicht verwendeten Septim- und 11er-Intervalle mit ein, sondern auch den
13. Naturton und damit alle Töne der Naturtonskala von 1-16.

Abb. Klangtürme
auf dem Irrsee, Salzkammergut, 31.05.2001
Anders als bei Aluminiumröhren ist die Abstimmung der hier verwendeten
Messingröhren, zur Verfügung gestellt von den DIEHL-Metallwerken,
Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg, von vielen Faktoren
abhängig:
- von der Art der
Legierung und dem spezifischen Gewicht
- vom Durchmesser,
- von der Wandstärke,
- von der Rohrlänge
- und von der Bohrung
(Schwingungsknotenpunkt).
Überraschend
ist dabei der relativ einfache mathematische Zusammenhang zwischen Rohrlänge
und Tonhöhe bei völlig gleich beschaffenen Rohren: das Verhältnis
von den ein Intervall bildenden zwei Tonhöhen entspricht der umgekehrten
Relation der Quadratwurzel der Rohrlängen. Dies ist fast analog zum
Verhältnis schwingender Saiten oder Luftsäulen zu sehen - nur
im Unterschied dazu gibt bei den Rohren die Quadratwurzel der Längenproportion
den Ausschlag für die Tonhöhen.
Beispiel: Der reinen
Terz 5/4 entspricht eine schwingende Saite von 4/5 ihrer Gesamtlänge
(4/5 = 0,8). Die Rohrlänge des Terztones dagegen ist v4/5 der ursprünglichen
Länge ( v4/5 = 0,89443).
Doch die Praxis hat
sich als wesentlich komplizierter erwiesen. Die erzielten Ergebnisse weichen
manchmal trotz präziser Berechnung von den erwarteten Ergebnissen
ab, denn die Charakteristik der Rohre bleibt trotz Eingrenzen durch die
vorhin erwähnten Parameter manchmal doch recht unvorhersehbar. Die
Arbeit an dem neuen Instrument wird wohl noch einige Jahre weitergehen.
ESCALOPHON:
ESCALIER (frz.: (Ton-) Leiter)
KALO (griech.: schön)
Der Klang des ESCALOPHONS
wird sich vom Klang angeschlagener Glocken und Röhrenglocken unterscheiden.
Denn aus den beim Anschlag erzeugten Klangspektren bildet sich nach kurzer
Zeit ein präziser Ton aus, der länger bestehen bleibt. Dieser
wird mit dem Mikrofon "abgefangen" und mit den anderen ausgewählten
Tönen kombiniert. Dazu wird in der Endausbauphase des Escalophon
eine elektromagnetische Anschlagtechnik installiert und von einem Spieltisch
aus gesteuert werden.

Abb.:
Die nächste Projektstufe: eine Klangpyramide von 5,20m Höhe,
bestehend aus 5 Klangtürmen
(Entwurf: Johannes Kotschy)
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